Mraz und Sohn die erste 2008
Nicht das erste mal schreibe ich in meinem Kochblog über Mraz und Sohn und nach weiteren 2 Besuchen im letzten November und Dezember ist nun, kurz vor meinem Geburtstag wieder ein guter Grund für einen Besuch gefunden. Offen gestanden muss eigentlich kein Grund für einen Besuch gefunden werden, dennoch ist es für mich eine Frage des Respektes - denn zu Markus Mraz essen gehen ist keinesfalls ein schneller oder gar gedankenloser Ausflug in den Imbiss, um den Hunger zu bekämpfen. Das Wissen, dass mich die absolute kulinarische Überraschung wieder einmal erwartet und ich mich auf das allerherrlichste kulinarische Theater einstellen kann. Diese Vorfreude versetzt mich schon Morgens nach dem Aufstehen, lange vor dem Abendessen bei Markus Mraz in großartige Erwartung. Ich fühle mich dann eigentlich wie ein sechsjähriger, der die Bescherung am heiligen Abend, das Läuten der kleinen Glocke nicht mehr erwarten kann. Gott sei Dank vergeht die Zeit tagsüber bei meinem momentanen Arbeitspensum rasch, Ablenkung ist mir in diesem Falle einfach eine große Hilfe. Nun aber endlich zum eigentlichen Restaurantbesuch - gegen 19:00 Uhr sind wir endlich im Lokal in der Wallensteinstraße angekommen. Seit unserem letzten Besuch wurde das Lokal renoviert. Stylische 80 iger Jahre Fädenvorhänge verstecken die Theke und Bar und lockern das Lokal auf. Die gesamte Decke ist nun hell gestrichen, die Lampen über den Tischen sind ebenso gut ausgewählt und bringen eine tolle Atmosphäre in das Restaurant. Zum kulinarischen Teil des Abends: Markus hat wieder einmal eine imposante Speisekarte für seine Gäste entwickelt - die Speisekarte hier aufzuführen würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Also komme ich gleich zum Menü: Als kleinen Gruß aus der Küche schickt uns Markus einen Matjessalat mit verschiedenen Kressesorten zur Auswahl - die Entscheidung zwischen Basilikumkresse, Radieschenkresse und Schnittlauchkresse ist nicht gerade einfach. Die Kresse, als kleiner Bund gereicht, kann dann mit einer Mini- Druidenschere selbst in den Matjessalat geschnitten werden. Dabei steigt das duftige Aroma der Kresse in die Nase, welches nur noch durch den vollkommenen Geschmack des mit der Kresse vermischten Matjes- Salat gesteigert wird. Es folgt ein Vitello Tonnato “verkehrt” - lässt der Name schon etwas interessantes erwarten, kommt doch meistens alles anders als man denkt: Eine dünne Scheibe rohen Thunfisch wird mit einer Kalbfleisch- Creme in der Pimpette gereicht, dazu etwas aromatische Tomate und Parmesaneis auf kleinen Löffelchen. Phantastisch, Phantastisch, zweimal groß geschrieben um dieser Formulierung Nachdruck zu verleihen. Es folgt eine Karottencreme (Suppe) mit etwas Kakaoduft (Kakaoschaum) dazu Avocadotarte und scharfer Jalapeno. Die dazu gereichte Zimtstange ist mit einem gebratenen Speck umwickelt und ein verführerisches Aroma umschmeichelt beim Genuss dieser Suppe meinen Gaumen. Die im Anschluss servierte Gänseleber mit Octopuscarpaccio ist unübertroffen die beste Gänseleber seit Jahren. Meine Frau genießt dazwischen noch eine Rindssuppe im Eisrauch, mit einer Kalbsbriesschnitte und einem halben Hummer. Effektvoll beim Servieren, vorzüglich im Geschmack. An dieser Stelle Gratulation an “Sohn” - eine Kreation also vom Nachwuchs, wie wir vom großen Chef zu später Stunde erfahren - die dem strengen Auge und Gaumen des Vaters bestanden hat und nun uns Gäste erfreuen kann. Der Hummer - sehr gut gemacht und äußerst geschmackvoll. Während ich nun als nächsten Gang eine Ente in Kokosrum mariniert, dazu Brioche und kandiertes Kernobst, das vorzüglich Kraut soll nicht unerwähnt bleiben, gereicht bekomme, erfährt meine Frau wie gut und außergewöhnlich Angler schmecken kann. Der Angler in Chorizzo gebraten mit “Lauchasche” (Eigenkration, hat nichts mit Verbranntem zu tun) dazu flüssigen Manchego Kartoffeln mundet ausgezeichnet, Fisch perfekt, Kombination weltmeisterlich. Die Manchego Kartoffeln finden am Tisch noch Ihren Weg zur Entensauce, der Küchenchef soll die Eigenwilligkeit seiner Gäste verzeihen - schließlich noch in meinen Mund. Die Ente übrigens rosa und knusprig - da könnte man manchen Sternechef in Wien zu “Mraz und Sohn” in die Lehre schicken. Schließlich folgt nach einer angenehmen Pause noch das Oxfilet & Oxen- Schlepp, dazu allerlei leckeres von Kartoffel Oliven- Emulsion und etwas erfrischendem Gurkensalat. Der Käse fällt für uns an diesem Abend aus - daher folgt nun eine leckere Dessertkreation: Tarte Tatin nach Markus Mraz - Karamel- Sauce und Vanillesauce als Unterlage, erfrischendes Eis, einige Apfelraspel und den Blätterteig als elegantes “Stangerl” quer über die Schale serviert. Es ist ein Wunder, dass sich die Gäste an diesem Abend nicht um die Karamell- Sauce prügeln, meine Begleitung ordert 2 mal “supplément” dieser Köstlichkeit. Schmeckt wie Karamelbonbon in der Kindheit, nur noch geiler… Im Anschluss folgt noch eine Nougat - Schokoladen - Dessertgranate: Das lauwarme Karamell- Nougatbonbon explodiert im Mund zu einem Feuerwerk - Geschmacksexplosion ist hier noch eine Untertreibung. Der lauwarme Schokokuchen schmeckt ebenso vorzüglich und das Mangoeis auf einem Nougatblatt ist der erfrischende Abschluss. Die Rechnung habe ich schon geordert, da kommt noch ein letzter Gruß aus der Küche: Das hausgemachte Bounty, geeist am Tisch - mit einem Bananenshake beschließt diesen Abend der kulinarischen Höhen. Die Weinbegleitung zum Menü möchte ich noch loben, vorzüglich ausgewählte Tropfen und absolute Harmonie mit den Speisen. Zum Abschluss heute sage ich: Wer nicht schnell selber hingeht essen, ist selber schuld, diese Show und das vorzügliche Kulinarium sucht seines gleichen. Genießerseelen sind hier einfach zu Hause. Die Fotos oben haben wir mit einer Handy - Kamera geschossen - diese kommt mit den Lichtverhältnissen im Lokal nicht so gut zurecht… also sind die Unschärfen nicht immer gewollt ;-).


